Goodbye Shanghai

Die letzten Tage in Shanghai gehen vorbei. Nun heißt es die restlichen Besorgungen machen und natürlich von den hier lieb gewonnenen Menschen Abschied nehmen. Viele sind bereits vor mir abgereist; nach Deutschland, in die USA oder zurück zu ihrer Familie in China. Im Wohnheim ist wieder Ruhe eingekehrt. Es gibt keine besetzten Waschmaschinen, die Duschen sind immer frei und niemand kommt mir auf dem Flur entgegen. Die meisten Läden auf dem Campus sind geschlossen und die Studentenmassen sind verschwunden.
Auch meine Koffer sind gepackt. Morgen geht es in den Süden Chinas. Erst nach Hong Kong und dann, nach einem Abstecher nach Guilin mit den (hoffentlich) wunderschönen Zuckerhutbergen, auf die Insel Hainan.
Reiseberichte werden leider ausfallen, denn die Internetzensur hat auch meinen Blog erwischt. Deshalb heißt es jetzt auch hier: Zaijian, good bye, auf Wiedersehen. Auf ein Wiedersehen in Deutschland in einigen Tagen. Ich freue mich schon ;-)

Mein neuer Job

Nachdem meine Kurse an der Uni vorbei sind und das nervige Kontrollieren der handschriftlichen Hausaufgaben meiner 60 Studenten durch die Online-Abgaben endlich entfallen ist, habe ich stark an Freizeit gewonnen. Reisen kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein und geht auch ins Geld, daher habe ich mich nach einer Alternative umgesehen.
Im Sommer wird es hier für gewöhnlich ganz schön heiß, viele der „Langnasen“ fliehen deshalb für einige Wochen zurück in ihre Heimat. Ich habe zwar noch nie wirklich Theater gespielt oder Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, trotzdem bin ich jetzt einen Monat lang die Vertretung für die Leiterin der Theatergruppe am Goetheinstitut in Shanghai. Die Gruppe ist überschaubar klein und mit Begeisterung dabei. Die meisten Studenten lernen seit etwa einem Jahr Deutsch. Es ist wirklich schwierig, die richtigen Worte zum erklären zu finden. Aber mit unterstützenden Gesten und Bildern klappt es meistens ganz gut.
Wir haben schon vieles zum Bühnenbild und zur Regie erarbeitet. Es ist wirklich schade, dass ich zum Zeitpunkt der Aufführung schon wieder in Deutschland sein werde.

Morakot oder warum es keinen Sonnenschein gibt

Eigentlich sollte es jetzt verdammt heiß sein und die Sonne müsste scheinen. Stattdessen haben wir nur knapp 30°C, bewölkten grauen Himmel, täglich Regen, öfters Sturm und das schon seit mehreren Tagen.
Unser letzter Ausflug ins gelbe Gebirge war auch eher feucht als fröhlich. Von den Gipfeln sollte man eine schöne Sicht über den Wolken haben und es heißt, dass man den Sonnenaufgang dort nie vergisst. Wir befanden uns jedoch mitten in der Wolke, die Sichtweite betrug nur wenige Meter und die Sonne konnte man nicht einmal erahnen. Am spannendsten war es daher den dort lebenden Affen zuzuschauen, die sich um das Essen der Touristen stritten. Hin und wieder waren die Sturmböen so stark, dass sie für einen kurzen Moment die Wolken vertrieben und wir alle hektisch den Fotoapparat herausholten um die Sicht auf die entfernten Gipfel festzuhalten. Die Bergspitzen sehen tatsächlich so aus wie auf vielen chinesischen Bildern. Bloß dass es bei uns von in gelben Plasteponchos eingepackten Chinesen wimmelte und stark regnete.
Schuld an diesem andauernden Unwetter und auch an den vielen Überschwemmungen (s.u.) ist der Taifun Morakot, der sich gerade entlang der chinesischen Südküste bewegt und bereits auf den Philippinen und Taiwan wütete.
Ich kann es gar nicht mehr erwarten wieder die Sonne zu sehen. Ich will bald ans Meer und den Strand genießen. Wann wird es nur endlich wieder Sommer?

Unterwasser

Fast drei Tage war ich nicht zu Hause gewesen. Wie sonst auch nahm ich das Taxi von der U-Bahn zum Campus. Doch diesmal hielt der Fahrer auf halben Weg mitten auf der Straße an und meinte wir wären da. Irritiert schaute ich aus dem Fenster und konnte kaum glauben, was ich sah: Wasser, vor und neben unserem Wagen, überall war Wasser. In den letzten Tagen musste es so heftig geregnet haben, dass die Abwasserkanäle komplett überfordert sind. Allen anderen Stadtteile, in denen ich in den letzten Tagen in Shanghai unterwegs war – und das waren einige - war nichts anzumerken gewesen. Die Ubahn fuhr ohne Probleme und auch sonst hatte niemand etwas Derartiges erwähnt.
So stand ich nun mitten auf der Straße wie auf einer kleinen Insel umgeben von Wasser. Einerseits war ich ziemlich erschrocken, andererseits total fasziniert und aufgeregt. Als erstes holte ich den Fotoapparat raus, machte die ersten Bilder und fing dann an zu überlegen, wie ich zum noch trocken gelegenen Gehweg kommen kann. Mir blieb nichts anderes übrig als durchs knietiefe Wasser zu waten.
Auf dem Campus sah es ähnlich aus. So gut wie alle Straßen standen unter Wasser. Autos sprangen nicht mehr an. Einige hatte es so schlimm getroffen, dass nur noch das Dach zu sehen war.
Mein Zimmer liegt im Erdgeschoss, fiel mir plötzlich ein. Ich beeilte mich um schnell nach Hause zu kommen und ging gedanklich durch, was alles auf dem Fußboden liegt. Doch ich hatte Glück. Unser Wohnheim liegt etwas erhöht und somit im Trockenen. Meine Mitbewohnerin warnte mich gleich vor. Seit Freitag wird tagsüber der Strom abgestellt.

Wieder 'daheim'

Meine Familie ist heil in Deutschland angekommen und ich bin auch wieder in meine kleine WG zurückgekehrt. Nach dem ganzen Reisen, dem ständigen Kofferpacken und von Hotel zu Hotel ziehen, hatte ich dringend das Bedürfnis nach etwas Pause. Daher bleibt mein Koffer schon das zweite WE am Stück in der Ecke stehen und ich genieße es, einfach mal nur in Shanghai unterwegs zu sein.
Ich muss zugeben, dass mir diese Stadt bis jetzt am besten gefällt. Zwar groß und laut, aber doch sehr abwechslungs- und kontrastreich. Hier steht modernes und traditionelles, neues und altes, heruntergekommenes direkt nebeneinander. Neben dem klassischen Unterhaltungsangebot für Chinesen (Internet, Shopping und Essen) gibt es auch jede Menge für den westlichen Geschmack: Bars, Kneipen, Clubs, Kunst, Kino...
Vor kurzem habe ich mir den neuen Harry Potter-Film angeschaut. Die DVD an der nächsten Straßenecke zu kaufen wäre zwar deutlich billiger gewesen, aber chinesisches Kino hat schon was. Die erste Viertelstunde war in 3D, es gab keine Werbung und trotz der Überlänge auch keine nervige Pause.
Draußen vor der Tür (beim Nike-Laden) drängelten sich in der Zeit die Massen um Kobe Bryant zu erleben. Mir, dem größten "Sport-im-Fernsehen"-Muffel, war der Name völlig unbekannt, aber in China ist er der Basketballgott. Ich glaube, es gibt keinen Sportler der beliebter ist. Wer hätte gedacht, dass die nicht sonderlich großwüchsigen Chinesen dermaßen auf Basketball abfahren...

Quer durch China

Endlich war der langerwartete Besuch aus Deutschland da. Die Tour durch China konnte beginnen.
Als erstes musste ich natürlich Shanghai zeigen: Es ging hinauf aufs World Financial Center, in den Yu-Garten, auf den Stoffmarkt um Kleidung schneidern zu lassen und natürlich zu meiner Uni und meinem momentanen zu Hause.

Die nächste Station war Peking oder Beijing, wie man hier sagt. Durch Bestechung konnten wir die lange Warteschlange zum Moa-Zedong-Mausoleum umgehen. Streng durchorganiesert lief man durch das Mausoleum: Nicht stehen bleiben, keine Lücken zum Vordermann lassen und nur in Zweierreihen gehen. Nach wenigen Minuten war der Spaß dann schon vorbei.
Anschließend ging es mit einem Touristenführer durch die Verbotene Stadt. Einige Teile der Geschichte waren mir schon aus der Uni bekannt, sind aber immer wieder spannend. Der Sommerpalast, am See auf einem Hügel gelegen umgeben mit vielen Parkanlagen, gefiel mir jedoch deutlich besser.
Unser Ausflug zur Großen Mauer war nicht sonderlich geglückt. Die Fahrt mit dem Taxi ging erstaunlich schnell und wird sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Nach 120 km kamen wir bei Regen an. Auf der Mauer betrug die Sichtweite nur wenige Meter. Die atemberaubende Landschaft, wegen der wir extra weiter rausgefahren sind als nötig, konnte nur erahnt werden.

Unser nächstes Ziel war Suzhou, eine Stadt mit vielen traditionellen chinesischen Gärten. Von den Irrwegen im Löwengarten ließen wir uns nicht kleinkriegen und fanden schließlich nach einigem Suchen zum Ausgang zurück.
Außerdem ging es nach Tongli, eine Kanalstadt, die wenig von dem modernen China mitbekommen hat. Am Kanal wurde Wäsche gewaschen, Fische ausgenommen und Essen zubereitet. Die Häuser waren klein, alt und eher verkommen. Es ist erstaunlich, dass es Stromanschlüsse für die Farbfernseher gab. Die Mittagshitze machte uns ganz schön zu schaffen. Nicht einmal ein Windhauch half, es fühlte sich so an, als würde uns jemand einen überdimensionalen Föhn vors Gesicht halten. Temperaturen über vierzig Grad sind einfach nicht angenehm.

Auf Reisen - Qingdao

Wenn man auf Dauer über Dreizig Grad im Schatten hat, wünscht man sich nichts sehnlicher als Strand und Meer. Da Qingdao für schöne Strände berüchtigt ist, beschlossen wir dorthin zu fliegen.
Das Städtchen ist wirklich süß. Es gibt viel Grün, die Luft ist frisch, der Verkehr deutlich ruhiger und entspannter als in Shanghai. Die Altstadt sieht erstaunlich vertraut aus: es gibt Fachwerkhäuser, Kirchen.... Spuren, die die Deutschen während ihrer Besetzungszeit hinterließen. Natürlich durfte eine Brauerei damals nicht fehlen, schließlich gab es bis dorthin noch kein Bier in China. Heutzutage ist das Tsingtao-Bier eines der beliebtesten und bekanntesten Biere in China bzw. Asien. Bei der Besichtigung der Brauerei wird schnell klar, warum das Bier hier anders schmeckt - zu den Zutaten gehört auch Reis.
Beim Bummeln durch die Stadt wurden wir ständig beobachtet und fotografiert. Sogar in vorbeifahrenden Bussen klebten die Insassen an den Scheiben und zeigten mit Fingern auf uns. Am Strand waren wir mehr oder weniger die einzigen im Bikini und zogen die Blicke aller Badegäste auf uns, wie die Affen im Zoo. Eine Mutter kam sogar mit ihrem Kind vorbei, damit es uns besser sehen konnte. Freundlich lächelnd ließen uns ein paar mal fotografieren und machten uns dann aber schnell vom Acker. Ist Shanghai doch schön, wo man ungestört auf der Straße umherlaufen kann...

Auf Reisen - Xi'an und der Hua Shan

Nach meinem Besuch im Krankenhaus blieb mir nur wenig Zeit um mich zu erholen. Bereits am nächsten Tag ging es zur Uni um mit den Studenten das Wichtigste der Woche zu wiederholen und neue hilfreiche Dinge zu vermitteln. Im Anschluss fuhr ich gleich mit dem Taxi zum Flughafen nach Xi'an. Da dies die Heimatstadt meiner hiesigen Mitbewohnerin ist, wurde ich von einem Freund der Familie in Empfang genommen und zum Hostel gebracht, wo ich auf Freunde wartete, die einen späteren Flug genommen hatten.
Am Folgetag wurden die Altstadt und die Stadtmauer mit dem Fahrrad erkundet. Auf den ersten Blick mag das gefährlich erscheinen, denn es gibt im Straßeverkehr kaum Regeln an die sich gehalten wird. Rote Ampeln und Verkkehrsschilder werden ignoriert, auch der Standstreifen und Radweg wird zum überholen genutzt und wer schneller oder größer ist hat Vorrang. Wenn man sich jedoch erst einmal an den chaotischen, vorschriftsfreien Verkehr gewöhnt hat, stellt man fest, dass die Autofahrer äußerst aufmerksam und jederzeit bremsbereit sind.
Abends wurden wir sechs von der Familie meiner Mitbewohnerin, die leider in Shanghai geblieben ist, zum Abendessen in eins der besten Restaurants der Stadt ausgeführt, wo uns lokale Köstlichkeiten serviert wurden - sehr, sehr lecker.
Wenn man in Xi'an ist, darf man es natürlich nicht verpassen, die Tonarmee zu sehen. Nach einigem Verhandeln hatten wir sogar unseren persönlichen Reiseführer, der uns durch das Gelände des Museums führte. Es war schon sehr beeindruckend, so viele Soldaten zu sehen. Keiner glich dem anderen, die Gesichtszüge, Haare, Kleidung, alles war unterschieldich. Es gab nicht nur Soldaten aus Ton sondern, einige der Figuren waren aus Bronze, außerdem gibt es Tänzer, Akrobaten und ähnliches. Erst im Mai wurde mit weiteren Ausgrabungen begonnen, die wir leider nicht beobachteten konnten, da gerade Mittagspause war - und die geht in China über Stunden.
Der Höhepunkt der Reise war für mich jedoch der Ausflug zum Hua Shan, einem Berg mit äußerst steilen Hängen. Über steile, schmale Treppen erklommen wir einige der Gipfel und konnten trotz Anstrengungen - denn es ist hier nach wie vor ganz schön warm - einen herrlichen Ausblick genießen.

Ereignis des Tages

Ich habe keine Ahnung woher sie kam, aber heute hatten wir eine etwa 5 cm große Schabe (gemessen ohne Fühler, Füße, etc.) in unserem Zimmer. Ich habe das Tierchen erst bemerkt, als meine Zimmergenossin und ihre Freundinnen zu kreischen anfingen und auf den nächstbesten Stuhl sprangen oder panikartig das Zimmer verließen. Die Aufgabe, den ungebetenen Gast aus dem Zimmer zu befördern, wurde somit mir überlassen. Mit Besen und Aufnehmer bewaffnet, wurde die Schabe schließlich vor die Tür gekehrt. Ein Glück, dass wir im Erdgeschoss gleich neben dem Eingang wohnen.

Im Krankenhaus

Nachdem ich in Nanjing etwas falsches gegessen hatte und den Rückweg nach Shanghai erstaunlicherweise irgendwie überstanden hatte, entschied ich mich notgedrungen am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen. Zum Glück haben wir ein Krankenhaus auf dem Campus und eine Freundin bot sich an mich zu begleiten. Das Gebäude schien relativ neu zu sein, die Ärzte trugen weiße Kittel und alles war überraschend sauber. Hygiene ist hier im Allgemeinen anders als das, was ich von zu Hause gewohnt bin.
Ganz am Anfang bekam ich ein Buch, in dem zukünftig meine Krankengeschichte festgehalten wird. Ohne zu warten ging es gleich weiter zur Ärztin. Ich wurde abgetastet, dann gingen wir sämtlich Sachen durch, die ich am Vortag gegessen habe - höchstwahrscheinlich lags am Omelette. Anschließend bekam ich ein paar Tabletten verschrieben, Empfehlungen für Verhalten und Ernährung für die nächsten Tage und eine Krankschreibung. Da die Apotheke auch gleich im Haus war, dauerte das ganze nicht einmal eine halbe Stunde und kostete mich insgesamt 2 Euro. Nach zwei Tagen war ich wieder fit genug um nach Xi'an zu fliegen.

Ein Wochenende in Nanjing

Zusammen mit Sabine fuhr ich übers Wochenende nach Nanjing. Es war äußerst angenehm wieder deutsch sprechen zu können und gemeinsame Erfahrungen über China auszutauschen.
Wir übernachten in einem günstigen Hostel. Unser Zimmer war klein und alles andere als schön, aber es gab frische Bettwäsche und eine Klimaanlage. Mit dem Gemeinschaftsbad hatte ich weitaus weniger Probleme als meine Begleitung. In einem chinesischen Wohnheim zu wohnen härtet einfach ab.
Nanjing war früher einmal die Hauptstadt Chinas. Die Altstadt ist wirklich schön, so wie man sich China vorstellt, also ganz anders als Shanghai. Es gibt viele historische Sehenswürdigkeiten, die frühere Herrscher hinterließen.
Da die Sonne schien und es wirklich heiß war, besorgten wir uns gleich zum Anfang dem Vorbild der Chinesen folgend Sonnenschirme.
Gegen die Hitze halfen diese zwar nicht, der Schweiß lief und alles klebte, aber es gab zumindest keinen Sonnenbrand.
Wir besichtigten einige Tempel, Parks und wanderten auf der großen Stadtmauer entlang von der man einen wundervollen Blick auf die Stadt und deren Seen hatte. Mit den paar Wörtern chinesisch, die ich an der Uni in den letzten Wochen gelernt hatte, gelang es uns Auskünfte zu Wegrichtungen und entsprechenden Buslinien und -haltestellen bekommen. Auch hier waren die Chinesen äußerst hilfsbereit und scheuten nicht davor sämtliche Freunde anzurufen, falls sie selber keine Ahnung hatten.
Unterwegs schüttelten wir über kitschige Dekorationen die Köpfe. Es gab Girlanden, jede Menge Lampions, Lichterketten, Figuren von Menschen, Tieren und Fabelwesen, die sich bewegten. Als wir abends im Dunkeln eine Bootstour auf den vielen Kanälen mitmachten, kamen sogar noch künstlicher Nebel und traditionell gekleidete Chinesen hinzu. Dieses Programm von Farben und Lichtern ist nicht einmal von Disneyland zu übertreffen. Es ist kaum zu fassen, dass es sich hierbei um eine reale Stadt handelt. Das Gewitter am Ende war aber leider echt. Unsere Sonnenschirme erwiesen sich auch hierbei durchaus als praktisch.
Am nächsten Tag ging es auf den Lila Berg, wo sich ein paar Gräber von bedeutenden Herrschern befanden. Umgeben von Bäumen, Natur und in Stein gemeißelten Figuren, schritten wir die heiligen Pfade entlang zu den Mausoleen. Die Treppen brachten uns ganz schön ins schwitzen. Da auch die Chinesen völlig klitschnass oben ankamen, den Schweiß ständig mit Handtüchern abwischend, habe ich wenig Hoffnung, dass ich mich an diese Hitze gewöhnen werde. Der Blick von oben gefiel uns deutlich besser, als die Gräber an sich. Alles war frisch saniert und es roch noch überall nach Farbe, so dass selbst die originalen Schauplätze wie nachgebaut wirkten.

Hallo ihr Lieben,

mein Kurse an der Uni sind nun vorbei, die Gruppenpräsentation für "Einführung in die chinesische Kultur" gehalten und alle Aufsätze abgeliefert. Leider ist auch mein Sprachkurs zu Ende. Beides nahm relativ viel Zeit in Anspruch, hat aber sehr viel Spaß gemacht und war äußerst interessant. Nun heißt es alleine Vokabeln lernen, aber es gibt ja genug Muttersprachler, die mir dabei behilflich sind. Abgesehen von meinem Job als studentische Hilfskraft, habe ich keine weiteren Verpflichtungen mehr und somit endlich Zeit zum Reisen. Auch für meine Beiträge für den Blog und Emails werde ich jetzt hoffentlich wieder Zeit haben und mich häufiger melden.
In den letzten Tagen habe ich viel erlebt. Erst fuhr ich für ein paar Tage in eine ehemalige Hauptstadt des Landes, die nur zweieinhalb Stunden mit dem Zug von Shanghai entfernt ist.
Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Uni ging es dann weiter mit dem Flieger nach Xi'an (ebenfalls frühere Hauptstadt). Da die Familie meiner Zimmermitbewohnerin dort lebt, kam ich mal wieder in den Genuss chinesischer Gastfreundschaft.
In Kürze folgen ein paar ausführliche Beiträge.

Liebe Grüße
Christina

Zu Besuch in einer Kanalstadt - Zhujiajiao

Von der Uni aus besichtigten wir eine kleine Kanalstadt in der Nähe Shanghais. Dieser Ort war komplett touristisch erschlossen. Um in die Altstadt zu gelangen musste man bereits Eintritt zahlen. Dort erst einmal angelangt, wurde man von einer Masse Verkäufern verfolgt, die schreiend Kitsch, Trödel und sämtlichen Ramsch unter die Leute bringen wollten.
Ein sehr motivierter, schlecht englisch sprechender Touristenführer versuchte uns seine über alles geliebte Heimatstadt näher zu bringen. Wir besichtigten Gärten, Teehäuser, Tempel und so einige andere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Highlight war definitiv die anschließende Bootstour auf dem Kanal. Die Stadt wirkte gleich ganz anders, ruhiger und entspannter und die traditionelle Architektur kam viel mehr zum Vorschein.
Zum Ende luden uns einige Professoren zum Mittag ein, wo wieder einmal sämtliche Sonderbarkeiten der chinesischen Küche, unter anderem auch Qualle, Schnecken, Hühnerfüße und Fischköpfe, reichhaltig serviert wurden und wir die Teller sogar in die Höhe stapeln mussten.

Hangzhou

Das Leben ist hier wesentlich entspannter und gemeinschaftlicher als in Shanghai. Die Leute verbringen die meiste Zeit damit, sich in den Parks am berühmten Westsee zu treffen, zum Tee trinken, Mahjong spielen, Tanzen, Singen, Taiji und Gymnastik machen.
Es gibt sehr viele Touristen, aber fast gar keine Ausländer. Ich fiel also auf. Hin und wieder drehten sich Leute nach mir um, machten sogar Fotos. Bei Aussichts- und Fototpunkten wurden wir vorgelassen. Besonders beeindruckte mich ein älterer Herr (87), der mich mit fließendem Englisch in China willkommen hieß. Es stellte sich heraus, dass er sich jeden Sonntag mit anderen Chinesen im Park trifft um Englisch sprechen zu üben.
Wir verbrachten nicht nur Zeit am Westsee, sondern fuhren auch zu etwas ferner gelegenen Orten. Wir besichtigten den Lingyin-Tempel, einer der größten und wohlhabendsten Tempel des Landes. Besonders eindrucksvoll waren die 20 Meter hohe Statue eines Buddhas und die Halle mit 500 lebensgroßen Statuen, jede einen anderen Heiligen darstellend.
Von hier aus ging es weiter in ein kleines Dorf – Longjing. Teeliebhabern könnte dieser Name bekannt sein, von hier kommt der berühmteste grüne Tee Chinas, wahrscheinlich auch der teuerste. Überall waren Teeplantagen. Leider habe ich die Erntesaison verpasst und bekam somit nicht die Gelegenheit die Teeproduktion hautnah zu erleben.

Zu Gast bei einer chinesischen Familie

Obwohl wir uns kaum kannten, hat mir Ling angeboten, mir ihre Heimatstadt Hangzhou über die Feiertage zu zeigen. Über diese Stadt hatte ich schon sehr viel gehört. In China gibt es jede Menge Sprichwörter, eins lautet: Der Himmel auf Erden liegt in Suzhou und Hangzhou.
Da Ling bereits vorher zu ihren Eltern gefahren war und musste ich alleine den Zug nehmen. Chinesen sind erfahrungsgemäß sehr hilfsbereit und zuvorkommen, daher hatte ich keinerlei Bedenken. Nach nicht einmal anderthalb Stunden hatte ich die 200 km hinter mir und wurde herzlich von Ling und ihrem Vater empfangen.
Zuerst ging es mit dem Bus zu ihnen nach Hause, wo bereits das Mittagessen wartete. Unterwegs nutze sie die Zeit um mir die Besonderheiten der Stadt zu zeigen. Ich musste jedes Mal schmunzeln, wenn sie Hangzhou als kleinere Stadt bezeichneten, da dort schließlich über 6 Millionen Menschen leben.
Die Wohnung gefiel mir, wunderschön eingerichtet, ganz anders als bei uns üblich und über drei Etagen. Von außen hätte ich das nie erwartet.
Wie überall in China üblich machten auch wir nach dem Essen erst einmal ein Nickerchen. Erst danach ging es mit der Besichtigungstour los, bewaffnet mit Schirmen gegen die Sonne, denn blass sein ist in Mode. Obwohl hier ständig die Sonne scheint und ich viel draußen unterwegs bin, habe ich wie immer keinerlei Farbe bekommen und liege somit voll im Schönheitstrend.
Wir machten Ausflüge zum Westsee und in die Umgebung.
Da Feiertage waren, kamen abends Verwandte zum Essen. Obwohl außer Ling niemand Englisch konnte, wurde ich überall mit einbezogen und habe jede Menge zu Lachen gehabt.
Danach sind wir gemeinsam am Kaiserkanal, der bis nach Peking verläuft, spazieren gegangen und haben Deutschland und China verglichen. Das war wirklich spannend, da ich nicht nur neues über China erfahren habe, sondern auch Deutschland aus einem anderen Blickwinkel betrachten konnte.
Die drei Tage gingen viel zu schnell vorbei. Am Ende bekam ich sogar noch Geschenke für meine Familie mit auf den Weg und wurde gebeten später noch einmal wieder zu kommen. Gastfreundschaft wird hier wirklich groß geschrieben.

Tempel Jing'an



Heute habe ich zum ersten Mal einen buddhistischen Tempel betreten und festgestellt, wie wenig vertraut mir diese Religion ist.
Der Innenhof ist deutlich größer, als man es von außen erwartet hätte. Sehr viele Gläubige kommen zum Beten, nehmen Räucherstäbchen und richteten sich gen verschiedenen Himmelsrichtungen oder gehen eine der Gebetshallen zu den riesigen Buddhastatuen, von denen es verschieden Versionen gibt und die vermutlich unterschiedliche Bedeutungen haben. Dass der Name des Tempels übersetzt Tempel der Ruhe heißt, würde man wahrscheinlich nicht vermuten. Überall werfen Menschen mit Münzen nach Statuen um sich einen Wunsch erfüllen zu lassen. Mönche durchschreiten den Hof mit Instrumenten, gefolgt von Betenden und die vielen Touristen, mit Kameras bewappnet, bewundern die Architektur und die Gebetsrituale. Der Duft der Räucherstäbchen liegt mir immernoch in der Nase.



Entspannung

Zwischen Vorlesungen, Lernen und sämtlichen Stadtentdeckungen darf die Entspannung nicht zu kurz kommen. Daher habe ich mir ein zweistündiges Programm gegönnt: erst eine japanische Ganzkörper-Öl-Massage und anschließend eine traditionelle Fußmassage.
Der Service war super. Wir wurden mit dem Auto von der Ubahn abgeholt, dann gab es Tee zur Begrüßung, bequeme Latschen und Kleidung. Die Massage, zwar hin und wieder etwas schmerzhaft, hat aber sämtliche Verspannungen gelöst. Zusätzlich wurde frisches Obst mit grünem Tee oder frisch gepressten Saft serviert.

Ich hatte das große Glück mir hinterher eine Schröpfmassage anzuschauen. Hierbei werden Verspannungen mittels Unterdruck gelöst. Diese traditionelle Heilmethode soll auch das Immunsystem stärken und sehr effektiv gegen Cellulite sein. Klingt an sich vielversprechend, aber ich werde mir so etwas nie antun. Die Bilder sprechen sicherlich für sich . . .

Grün

Als ich die ersten Male durch Shanghai lief, war ich überrascht, wieviele Grünanlagen und Parks diese Stadt besitzt. Gerade bei Sonnenschein und Hitze - wir hatten schon über 35°C - liebe ich diese kühlen, schattigen Plätze. Die Kombination von Bäumen und Wasser ist eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfotos, für die Chinesen gerne ein halbes Vermögen ausgeben.
Gerade abends trifft man besonders viele junge Pärchen an, die sonst kaum ungestörte Plätze für ein Treffen haben.

Obwohl Shanghai eine sehr junge, moderne Stadt ist, kann man hin und wieder einige ältere, typisch chinesische Gebäude und Viertel finden. Eine der Top-Sehenswürdigkeiten Shanghais laut meinem Reiseführer ist der Yuyuan-Garten. Claire (aus Michigan) und ich waren uns einig, diesen Garten müssen wir uns anschauen.
Beim Betreten des Gartens stießen wie auf einen riesigen Basar mit vielen Schnellrestaurants, die sehr exotisches Essen verkaufen und kleine Läden, in denen man sämtlich Trödel und Kitsch erstehen kann. Tausende meist chinesische Touristen bewunderten die traditionellen Gebäude und schossen ein Foto nach dem anderen - ganz nach dem Motto: nur ein Urlaub mit vielen Fotos ist ein guter Urlaub.
Wir beiden waren ziemlich überrascht vom Garten, da wir keine Teiche und Bäume sehen konnten.

Nach einigem Suchen kamen wir dann dich endlich zu den Brücken, die die kleinen Häuschen auf dem Wasser im Zickzack verbinden. Im Wasser schwammen sogar Schildkröten und Karpfen. Am Ende der Brücke befand sich dann der offizielle Eingang der Gärten. Der Eintritt ist für chinesische Verhältnisse ziemlich teuer, daher waren wir einige der wenigen, die sich dieses Vergnügen gönnten. Hinter dem Eingang wurde es schlagartig ruhig, es war nichts mehr von den dem Lärm der umherstreifenden Touristen und laut schreienden Verkäufern zu merken. Überall waren in verwinkelten Ecken hübsche, traditionelle Pavillons, umgeben von Teichen, Felsen, Pinien und Blumen. Mönche beobachteten Kinder beim Füttern der Koikarpfen. Kaum zu glauben, dass Shanghai wirklich ruhige Orte zum Entspannen besitzt.

Shanghai bei Nacht


Gemeinsam mit mehreren SJTU-Stundenten und Austauschstudenten aus Michigan ging es gestern abend in die Innenstadt. Im fünfminutentakt wurde sicher gestellt, dass auch ja niemand unterwegs verloren geht. Nach etwa anderthalb Stunden mit Taxi, Metro und zu Fuß, erreichten wir endlich unser Ziel: eine Bar im 5. Stock eines Gebäudes am Bund. Oben angekommen musste erst einmal 50 RNB (1 € = 9 RNB) Eintritt gezahlt werden und dann konnten wir die herrliche Aussicht bei gut gemixten Longdrinks genießen - selbstverständlich all inclusive ;)

Der 1. Mai

Der erste Mai ist ein landesweiter Feiertag, dem anschließend einige Ferientage folgen. Diese Gelegenheit wird von sehr vielen Chinesen genutzt um zu reisen. Fast ganz China ist unterwegs. Die Großstädter fahren in kleinere Städtchen und im Gegenzug pilgern alle anderen in die Metropolen.
Auch ich habe mir den Trubel nicht entgehen lassen und bin gemeinsam mit Millionen anderen Touristen am Bund entlang spaziert und schließlich in dem neuen Stadtteil Pudong angelangt, wo man unter anderem den Oriental Pearl Tower und das höchste Gebäude der Welt (wenn man Antennen nicht mit einbezieht) bewundern kann. Unten stehend dachte ich mir: bin ich klein ...

SJTU - Shanghai Jiao Tong University

Etwa 40 000 Studenten studieren an der SJTU - einer davon bin ich. Es gibt 2 Standorte: ein alter, traditioneller mitten in Shanghai



und ein relativ neuer Campus am Rand der Stadt.



Hier studiere und wohne ich, wie es 25 000 andere Studenten auch tun. Der Komplex bildet eine eigene Stadt. Es gibt jede Menge Studentenwohnblocks, kleine Läden, Märkte, mehrere Mensen (bis jetzt habe ich fünf entdeckt), Restaurants, ein Hotel, ein Krankenhaus, Parkanlagen, Seen und vieles mehr. Das ganze ist so riesig, dass es Buslinien gibt und Fahrräder sehr beliebt sind, aber auch häufig geklaut werden. Auf dem Gelände hat man die Möglichkeit, ein Fahrrad für mehrere Stunden zu mieten - kostenlos. Leider dauert es etwa zwei bis vier Wochen bis man registriert ist :( Solange heißt es für mich: zu Fuß gehen.