Ein Wochenende in Nanjing

Zusammen mit Sabine fuhr ich übers Wochenende nach Nanjing. Es war äußerst angenehm wieder deutsch sprechen zu können und gemeinsame Erfahrungen über China auszutauschen.
Wir übernachten in einem günstigen Hostel. Unser Zimmer war klein und alles andere als schön, aber es gab frische Bettwäsche und eine Klimaanlage. Mit dem Gemeinschaftsbad hatte ich weitaus weniger Probleme als meine Begleitung. In einem chinesischen Wohnheim zu wohnen härtet einfach ab.
Nanjing war früher einmal die Hauptstadt Chinas. Die Altstadt ist wirklich schön, so wie man sich China vorstellt, also ganz anders als Shanghai. Es gibt viele historische Sehenswürdigkeiten, die frühere Herrscher hinterließen.
Da die Sonne schien und es wirklich heiß war, besorgten wir uns gleich zum Anfang dem Vorbild der Chinesen folgend Sonnenschirme.
Gegen die Hitze halfen diese zwar nicht, der Schweiß lief und alles klebte, aber es gab zumindest keinen Sonnenbrand.
Wir besichtigten einige Tempel, Parks und wanderten auf der großen Stadtmauer entlang von der man einen wundervollen Blick auf die Stadt und deren Seen hatte. Mit den paar Wörtern chinesisch, die ich an der Uni in den letzten Wochen gelernt hatte, gelang es uns Auskünfte zu Wegrichtungen und entsprechenden Buslinien und -haltestellen bekommen. Auch hier waren die Chinesen äußerst hilfsbereit und scheuten nicht davor sämtliche Freunde anzurufen, falls sie selber keine Ahnung hatten.
Unterwegs schüttelten wir über kitschige Dekorationen die Köpfe. Es gab Girlanden, jede Menge Lampions, Lichterketten, Figuren von Menschen, Tieren und Fabelwesen, die sich bewegten. Als wir abends im Dunkeln eine Bootstour auf den vielen Kanälen mitmachten, kamen sogar noch künstlicher Nebel und traditionell gekleidete Chinesen hinzu. Dieses Programm von Farben und Lichtern ist nicht einmal von Disneyland zu übertreffen. Es ist kaum zu fassen, dass es sich hierbei um eine reale Stadt handelt. Das Gewitter am Ende war aber leider echt. Unsere Sonnenschirme erwiesen sich auch hierbei durchaus als praktisch.
Am nächsten Tag ging es auf den Lila Berg, wo sich ein paar Gräber von bedeutenden Herrschern befanden. Umgeben von Bäumen, Natur und in Stein gemeißelten Figuren, schritten wir die heiligen Pfade entlang zu den Mausoleen. Die Treppen brachten uns ganz schön ins schwitzen. Da auch die Chinesen völlig klitschnass oben ankamen, den Schweiß ständig mit Handtüchern abwischend, habe ich wenig Hoffnung, dass ich mich an diese Hitze gewöhnen werde. Der Blick von oben gefiel uns deutlich besser, als die Gräber an sich. Alles war frisch saniert und es roch noch überall nach Farbe, so dass selbst die originalen Schauplätze wie nachgebaut wirkten.

Hallo ihr Lieben,

mein Kurse an der Uni sind nun vorbei, die Gruppenpräsentation für "Einführung in die chinesische Kultur" gehalten und alle Aufsätze abgeliefert. Leider ist auch mein Sprachkurs zu Ende. Beides nahm relativ viel Zeit in Anspruch, hat aber sehr viel Spaß gemacht und war äußerst interessant. Nun heißt es alleine Vokabeln lernen, aber es gibt ja genug Muttersprachler, die mir dabei behilflich sind. Abgesehen von meinem Job als studentische Hilfskraft, habe ich keine weiteren Verpflichtungen mehr und somit endlich Zeit zum Reisen. Auch für meine Beiträge für den Blog und Emails werde ich jetzt hoffentlich wieder Zeit haben und mich häufiger melden.
In den letzten Tagen habe ich viel erlebt. Erst fuhr ich für ein paar Tage in eine ehemalige Hauptstadt des Landes, die nur zweieinhalb Stunden mit dem Zug von Shanghai entfernt ist.
Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Uni ging es dann weiter mit dem Flieger nach Xi'an (ebenfalls frühere Hauptstadt). Da die Familie meiner Zimmermitbewohnerin dort lebt, kam ich mal wieder in den Genuss chinesischer Gastfreundschaft.
In Kürze folgen ein paar ausführliche Beiträge.

Liebe Grüße
Christina

Zu Besuch in einer Kanalstadt - Zhujiajiao

Von der Uni aus besichtigten wir eine kleine Kanalstadt in der Nähe Shanghais. Dieser Ort war komplett touristisch erschlossen. Um in die Altstadt zu gelangen musste man bereits Eintritt zahlen. Dort erst einmal angelangt, wurde man von einer Masse Verkäufern verfolgt, die schreiend Kitsch, Trödel und sämtlichen Ramsch unter die Leute bringen wollten.
Ein sehr motivierter, schlecht englisch sprechender Touristenführer versuchte uns seine über alles geliebte Heimatstadt näher zu bringen. Wir besichtigten Gärten, Teehäuser, Tempel und so einige andere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Highlight war definitiv die anschließende Bootstour auf dem Kanal. Die Stadt wirkte gleich ganz anders, ruhiger und entspannter und die traditionelle Architektur kam viel mehr zum Vorschein.
Zum Ende luden uns einige Professoren zum Mittag ein, wo wieder einmal sämtliche Sonderbarkeiten der chinesischen Küche, unter anderem auch Qualle, Schnecken, Hühnerfüße und Fischköpfe, reichhaltig serviert wurden und wir die Teller sogar in die Höhe stapeln mussten.

Hangzhou

Das Leben ist hier wesentlich entspannter und gemeinschaftlicher als in Shanghai. Die Leute verbringen die meiste Zeit damit, sich in den Parks am berühmten Westsee zu treffen, zum Tee trinken, Mahjong spielen, Tanzen, Singen, Taiji und Gymnastik machen.
Es gibt sehr viele Touristen, aber fast gar keine Ausländer. Ich fiel also auf. Hin und wieder drehten sich Leute nach mir um, machten sogar Fotos. Bei Aussichts- und Fototpunkten wurden wir vorgelassen. Besonders beeindruckte mich ein älterer Herr (87), der mich mit fließendem Englisch in China willkommen hieß. Es stellte sich heraus, dass er sich jeden Sonntag mit anderen Chinesen im Park trifft um Englisch sprechen zu üben.
Wir verbrachten nicht nur Zeit am Westsee, sondern fuhren auch zu etwas ferner gelegenen Orten. Wir besichtigten den Lingyin-Tempel, einer der größten und wohlhabendsten Tempel des Landes. Besonders eindrucksvoll waren die 20 Meter hohe Statue eines Buddhas und die Halle mit 500 lebensgroßen Statuen, jede einen anderen Heiligen darstellend.
Von hier aus ging es weiter in ein kleines Dorf – Longjing. Teeliebhabern könnte dieser Name bekannt sein, von hier kommt der berühmteste grüne Tee Chinas, wahrscheinlich auch der teuerste. Überall waren Teeplantagen. Leider habe ich die Erntesaison verpasst und bekam somit nicht die Gelegenheit die Teeproduktion hautnah zu erleben.

Zu Gast bei einer chinesischen Familie

Obwohl wir uns kaum kannten, hat mir Ling angeboten, mir ihre Heimatstadt Hangzhou über die Feiertage zu zeigen. Über diese Stadt hatte ich schon sehr viel gehört. In China gibt es jede Menge Sprichwörter, eins lautet: Der Himmel auf Erden liegt in Suzhou und Hangzhou.
Da Ling bereits vorher zu ihren Eltern gefahren war und musste ich alleine den Zug nehmen. Chinesen sind erfahrungsgemäß sehr hilfsbereit und zuvorkommen, daher hatte ich keinerlei Bedenken. Nach nicht einmal anderthalb Stunden hatte ich die 200 km hinter mir und wurde herzlich von Ling und ihrem Vater empfangen.
Zuerst ging es mit dem Bus zu ihnen nach Hause, wo bereits das Mittagessen wartete. Unterwegs nutze sie die Zeit um mir die Besonderheiten der Stadt zu zeigen. Ich musste jedes Mal schmunzeln, wenn sie Hangzhou als kleinere Stadt bezeichneten, da dort schließlich über 6 Millionen Menschen leben.
Die Wohnung gefiel mir, wunderschön eingerichtet, ganz anders als bei uns üblich und über drei Etagen. Von außen hätte ich das nie erwartet.
Wie überall in China üblich machten auch wir nach dem Essen erst einmal ein Nickerchen. Erst danach ging es mit der Besichtigungstour los, bewaffnet mit Schirmen gegen die Sonne, denn blass sein ist in Mode. Obwohl hier ständig die Sonne scheint und ich viel draußen unterwegs bin, habe ich wie immer keinerlei Farbe bekommen und liege somit voll im Schönheitstrend.
Wir machten Ausflüge zum Westsee und in die Umgebung.
Da Feiertage waren, kamen abends Verwandte zum Essen. Obwohl außer Ling niemand Englisch konnte, wurde ich überall mit einbezogen und habe jede Menge zu Lachen gehabt.
Danach sind wir gemeinsam am Kaiserkanal, der bis nach Peking verläuft, spazieren gegangen und haben Deutschland und China verglichen. Das war wirklich spannend, da ich nicht nur neues über China erfahren habe, sondern auch Deutschland aus einem anderen Blickwinkel betrachten konnte.
Die drei Tage gingen viel zu schnell vorbei. Am Ende bekam ich sogar noch Geschenke für meine Familie mit auf den Weg und wurde gebeten später noch einmal wieder zu kommen. Gastfreundschaft wird hier wirklich groß geschrieben.